#ExxonKnew – Exxon wusste es

 

cmcqj3gwcaaqte8

„Es ist nicht nur was Exxon getan hat, es ist was es jetzt tut.“  (von @TomDispatch)

 

Übersetzt vom Original-Artikel: http://www.postcarbon.org/exxons-never-ending-big-dig/ von Bill McKibben am 18.02.2016

Exxons bodenlosen Ölfass

Hier ist die Geschichte so weit. Die höchsten gesetzlichen Vertreter der acht- und sechzehnt-größten Volkswirtschaften der Erde (Kalifornien und New York) ermitteln gegen die größte Ölfirma der Erde (ExxonMobil), während beide demokratischen Präsidentschaftskandidaten das [amerikanische] Bundesjustizministerium auffordern, sich an der Untersuchung zu beteiligen, die sich als eine der größten Unternehmensskandale der amerikanischen Geschichte herausstellen könnte. Und dies ist nur der Anfang. So schlimm sich Exxon auch in der Vergangenheit verhalten hat, was es nun tut, ist  – vollkommen legal – mit zu helfen, den Planeten über den Rand zur größten Kriese in der gesamten Menschheitsgeschichte zu stoßen.

Letzten Herbst hast du vielleicht davon gehört, dass Exxon aufgedeckt hatte, was es schon sehr früh über den Klimawandel wusste. Vielleicht hast du dir sogar gedacht: das überrascht mich nicht. Sollte es aber. Sogar für jemanden wie mich, der sich schon sein ganzes Leben lang mit dem Fass ohne Boden, das Gier und der Klimawandel darstellt, beschäftigt, kam diese Nachricht und ihre Bedeutung wie ein Schock: es stellt sich heraus, dass man sich das letzte viertel Jahrhundert sinnloser Klima-Debatte hätte sparen können.

Zu Anfang deckten Untersuchungen des Pulitzer-Preis Gewinners Inside Climate News, der Los Angeles Times und der Columbia Journalism School in außergewöhnlichem Detail auf, dass Exxons höchsten Vorsitzenden alles bekannt war, was es über den Klimawandel in den 80ern zu wissen gab. Eigentlich sogar schon früher. Folgendes erklärte der führende Wissenschaftler des Unternehmens James Black Exxons Unternehmensführung 1977: „In erster Linie besteht generelle wissenschaftliche Einigkeit darüber, dass die wahrscheinlichste Art und Weise in welcher Menschen das Weltklima beeinflussen, der Ausstoß von Kohlendioxid durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen ist.“ Um dies zu ermitteln hatte das Unternehmen einen Öltanker mit Kohlendioxid-Sensoren ausgestattet um die Konzentration des Gases über dem Ozean zu messen um dann aufwendige Computermodelle zu finanzieren, um vorherzusagen, wie sich Temperaturen in Zukunft entwickeln würden.

Die Ergebnisse dieser Arbeit waren eindeutig. 1982 wurden die Vorsitzenden von Exxon in einer internen „Unternehmens-Fibel“ davon unterrichtet, dass, trotz fortbestehender Unbekannten, die Behandlung des Klimawandels eine „umfassende Reduktion der Verbrennung fossiler Brennstoffe erfordert.“ Solang das nicht geschieht, so die Fibel, unabhängige Experten zitierend, „gibt es einige, potentiell katastrophale Begebenheiten, die in Betracht gezogen werden müssen … Sobald die Auswirkungen messbar sind, könnten sie bereits unumkehrbar sein.“ Doch dieses Dokument, das innerhalb von Exxon „weite Verbreitung fand“, war ebenfalls mit „nicht extern verbreiten“ gestempelt.

Das ist also, was passiert ist. Exxon nutzte sein Wissen über den Klimawandel um seine eigene Zukunft zu planen. Das Unternehmen pachtete z.B. große Teile der Arktis für die Öl-Exploration, Gebiete in denen, wie ein Wissenschaftler des Unternehmens 1990 darlegte, „ein potentieller Klimawandel helfen könnte Explorations- und Produktionskosten zu senken“. Nicht nur das, „von der Nordsee bis zur Kanadischen Arktis“ machten sich Exxon und seine Partner daran „die Decks von Offshore-Plattformen zu erhöhen, Pipelines vor zunehmender Küstenerosion zu schützen und Helipads, Pipelines und Straßen für eine sich erwärmende und zunehmend instabile Arktis zu entwerfen.“ In anderen Worten, das Unterthemen begann seine Infrastruktur auf eine Zukunft vorzubereiten, von der seine eigenen Wissenschaftler wussten, dass sie unvermeidbar war.

Aber in der Öffentlichkeit? Exxon hat nichts davon zugegeben. In der Tat hat es genau das Gegenteil getan. In den 1990ern begann es Geld und Einfluss in die Verdunkelung der Wissenschaft um den Klimawandel zu stecken. Es finanziert Think Tanks, die die Leugnung des Klimawandels verbreiten und rekrutiert sogar Lobby-Talente aus der Tabak-Industrie. Es folgt den Strategien der Tabakindustrie, in dem es die „Unsicherheit“ der Klimawissenschaft betont. Und es gibt großzügig Geld aus um Politiker zu unterstützen, die bereit sind, den Klimawandel runter zu spielen.

[Exxons] CEO, Lee Raymond, reiste 1997 sogar nach China und spornte dort die Regierungschefs an, die fossile Brennstoffwirtschaft mit Volldampf voranzutreiben. Die Erde kühle sich ab, so beharrte er [Link zu dem Dokument ist inzwischen tot], während seine Ingenieure die Bohrinseln erhöhten, um den sich erhöhenden Meeresspiegel zu kompensieren. „Es ist höchst unwahrscheinlich,“ sagte er, „dass die Temperatur in der Mitte des nächsten Jahrhunderts signifikant beeinflusst wird, ob Richtlinien jetzt oder erst in 20 Jahren erlassen werden.“ Das war nicht nur verkehrt, sondern überwältigend verkehrt – so verkehrt wie man nur sein kann.

Sünden der Unterlassung

In der Tat könnte Exxons Betrug – seine Fähigkeit Regulierungen seit 20 Jahren zu verhindern – für die geologische Geschichte des Planeten absolut entscheidend sein. Es geschieht in diesen zwei Jahrzehnten, dass die Treibhausgasemissionen rapide ansteigen, ebenso wie die globalen Temperaturen, bis im 21. Jahrhundert das „heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen“ zu einem alten Hut wurde. Und das ist das Endresultat: hätte Exxon die Wahrheit gesagt, über das, was es bereits 1990 wusste, vielleicht hätten wir nicht ein viertel Jahrhundert mit einer künstlichen Debatte über die Wissenschaft um den Klimawandel verschwendet, noch hätte irgendjemand Exxon der Panikmache bezichtigt. Wir hätten ganz einfach mit der Arbeit anfangen können.

Aber Exxon hat nicht die Wahrheit gesagt. Eine Studie der Yale Universität, die letzen Herbst in der ‚Proceedings of the National Academy of Sciences‘ veröffentlicht wurde, zeigt, dass das Geld von Exxon und den Koch Brüdern eine Schlüsselrolle in der Polarisierung der Klima-Debatte in diesem Land [USA] spielt.

Die Sünden des Unternehmens – von Vermeidung und Beeinflussung – könnten sich sogar als kriminell erweisen. Ob das Unternehmen „die Öffentlichkeit belogen“ hat, ist die Frage, die der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneiderman letzen Herbst entschied zu untersuchen, und die ihn zu dem großen Gesetzeshüter unserer Ära machen könnte, wenn seine Untersuchungen nicht im Sande verlaufen. Es gibt verschiedene Gesetze gegen Verbraucherbetrug, gegen die Exxon verstoßen haben könnte, und es könnte versäumt haben, relevante Informationen gegenüber seinen Anlegern offen zulegen, welche Art von Lüge wohl in unserem Land [USA] am illegalsten ist. Nun erhält Schneiderman Rückendeckung von der Kalifornischen Staatsanwaltin Kamala Harris, und eventuell – wenn die Aktivisten den Druck aufrecht erhalten – ebenfalls vom [amerikanischen] Justizministerium, obwohl sein all zu gut bekannter Wiederwille den Verfehlungen der großen Banken nachzugehen, nicht gerade Hoffnung weckt.

Der Punkt ist: das alles war schon damals nicht gut, aber Exxon und viele seiner großen Partner in der Energiebranche verhalten sich heute mindestens genauso schlimm, nun da sich das Tempo der Erwärmung beschleunigt. Und das alles ist legal – gefährlich, dumm und unmoralisch – aber legal.

Oberflächlich hat sich bei Exxon in der Tat ein Bisschen etwas verändert, in den letzten Jahren.

Zum Einen hat es zumindest in bescheidendem Umfang aufgehört den Klimawandel zu leugnen. Rex Tillerson, Raymonds Nachfolger als CEO [von Exxon] erzählte den Weltführern nicht mehr, dass sich der Planet abkühlt. Er sprach 2012 vor dem Council on Foreign Relations und sagte, „Ich streite nicht ab, dass steigende CO2 Emissionen in der Atmosphäre einen Einfluss haben werden. Sie werden einen erwärmenden Einfluss haben.“ Natürlich fuhr er umgehend fort, dass dieser Einfluss in der Tat ungewiss, schwer abzuschätzen, und in jedem Fall völlig beherrschbar sei. Seine Argumentation war bemerkenswert. „Wir werden uns anpassen. Wetterveränderungen, die die Gebiete verschieben, in denen Landwirtschaft betrieben werden kann – wir werden uns daran anpassen. Es ist ein technisches Problem und hat technische Lösungen.

Zu diesem Juwel eines Kommentars kommt dies: das eigentliche Problem sei, so beharrte er, dass wir eine Gesellschaft haben, die im Großen und Ganzen in diesen Bereichen, Wissenschaft, Mathematik und Ingenieurstechnik ungebildet ist, was wir tun ist ein Mysterium für sie und sie finden es unheimlich. Und deshalb schafft es einfache Möglichkeiten für Gegner der [Öl & Gas] Entwicklung, Organisationen der Aktivisten, Angst zu erzeugen.

Genau. Das war im Jahre 2012, in den Monaten der Überschwemmungen in Asien, die zig Millionen vertrieben und während des heißesten Sommers seit Beginn der Aufzeichnung in den Vereinigten Staaten, als ein großer Teil unserer Getreideernte ausfiel. Ach ja, und es war kurz vor Hurrikan Sandy.

Er setzt dieselbe angriffslustige Rhetorik während seiner gesamten Amtszeit fort. Auf der letztjährigen Hauptversammlung von ExxonMobil z.B., sagte er, dass, wenn die Welt mit „unfreundlichem Wetter „, welches „eventuell oder auch nicht durch den Klimawandel verursacht wurde“, zu tun bekommt, sollten wir uns mit nicht näher bezeichneten „neuen Technologien“ beschäftigen. Die Menschheit, so erklärte er  „hat diese enorme Kapazität mit Widrigkeiten fertig zu werden.“

Mit anderen Worten, wir reden nicht mehr über schlichte Leugnung, nur die Leugnung dessen, dass wirklich etwas unternommen werden muss. Und selbst wenn das Unternehmen etwas zu unternehmen vorschlägt, sind seine Vorschläge auffallend flüchtig. Exxons PR-Team z.B., hatte diskutiert eine Besteuerung von CO2 zu unterstützen, was aber Wirtschaftswissenschaftler links, rechts und aus der Mitte seit den 1980ern empfehlen. Aber der Mindestbetrag, den sie vorschlagen – irgendwo zwischen $40 und $60 pro Tonne – würde ihr Geschäft nicht maßgeblich beeinträchtigen. Schließlich bestehen sie darauf, dass all ihre Reserven im Zusammenhang mit solch einem Preisanstieg förderwürdig bleiben, was hauptsächlich dazu dienen würde, das Leben der bereits endständigen Kohleindustrie zu erschweren.

Angenommen du denkst, dass eine CO2 Steuer eine gute Idee ist – was sie in der Tat ist, denn jedes Signal hilft Investitionsentscheidungen zu beeinflussen. In diesem Fall hat Exxon sein Bestes getan, dass das, was sie in der Theorie vorgeben zu unterstützen, niemals zur praktischen Anwendung kommen wird.

Betrachten wir z.B. ihre politischen spenden. Die Webseite ‚Dirty Energy Money‚, organisiert von ‚Oil Change International‘ ermöglicht es, zu verfolgen, wer wem was gespendet hat. Wenn man sich Exxons gesamte politische Spenden von 1999 bis heute ansieht, [zeigt sich], dass eine große Mehrheit seines politischen Harems den berühmten ‚Taxpayer Protection Pledge‘ von Grover Norquists ‚Americans for Tax Reform‘ [Amerikaner für Steuerreform] gezeichnet hat, der sie verpflichtet, gegen jede Art von neuen Steuern zu stimmen. Norquist selbst schrieb dem [US-amerikanischen] Kongress ende Januar „eine CO2-Steuer sei eine Mehrwertsteuer auf Stützrädern. Jede CO2-Steuer würde sich unvermeidlich über weitere und weitere Teile der Wirtschaft ausbreiten, bis wir [die USA] eine Mehrwertsteuer wie in Europa haben.“ Wie er einem Reporter gegenüber letztes Jahr äußerte, “ ich sehe keinen Weg viele republikanische Stimmen für eine CO2-Steuer zu gewinnen“, und da er als der „der mächtigste Mann in der amerikanischen Politik“ gilt, scheint er damit richtig zu liegen.

Der einzige demokratische Senator in Exxons Top-60-Liste war die ehemalige Senatorin von Louisiana Mary Landrieu, die einen großen Vorteil bei der letzten Wahl darstellte, da sie die „Schlüsselstimme“ bei der Blockade der CO2-Steuer im Kongress war. Bill Cassidy, der Mann, der sie besiegte, ist ebenfalls ein Exxon-Favorit, und er verlor keine Zeit sich an einem Gesetzesentwurf gegen jede Art von CO2-Steuern zu beteiligen. Mit anderen Worten, man kann Exxons Zugeständnisse in Sachen Klimawandel in Wirklichkeit als Hütchenspiel bezeichnen.

Das bodenlose Fass

Das ist noch nicht einmal das größte Problem.

Das größte Problem ist Exxons Business-plan. Das Unternehmen gibt riesige Mengen Geld für die Suche nach neuen Kohlenwasserstoffen aus. Angesichts des jüngsten Einbruchs des Ölpreises hat es seine Ausgaben in der Tat 2015 um 12% auf $34 Milliarden und 2016 um weitere 25% auf $23,2 Milliarden gekürzt. Das bedeutet, dass Exxon 2015 $63 Millionen am Tag[!] ausgab um „neue  Projekte online zu bringen“. Es gibt immer noch ganze $1,57 Milliarden im Jahr auf der Suche nach neuen Kohlenwasserstoff-Lagerstätten aus – $4 Millionen am Tag, jeden Tag.

Trotz des derzeitigen Schnäppchen-Ölpreises prahlt es immer noch mit seinen Expansionsplänen im Golf von Mexiko, Ost-Kanada, Indonesien, Australien, dem Osten von Russland, Angola und Nigeria. „Die Stärke unserer globalen Organisation ermöglicht es uns in allen geologischen und geographischen Umgebungen zu operieren, mit branchenführender Technologie und Kompetenz.“ Und seine Bereitschaft mit praktisch jedem Regime da draußen ins Bett zu steigen macht es ihnen noch leichter. Irgendwo in seiner Trophäensammlung hat Rex Tillerson z.B. eine ‚Orden der Freundschaft‘-Medaille von Vladimir Putin. Alles was dafür nötig war, war ein Energie-Joint-Venture, das auf $500 Milliarden geschätzt wird.

Du wirst vielleicht sagen, das ist nun mal was Öl-Unternehmen tun, neues Öl finden, richtig? Unglücklicher Weise ist es genau dass, was wir sie nicht mehr tun lassen sollten. Vor ungefähr einem Jahrzehnt haben Wissenschaftler zu ersten Mal begonnen ein „Kohlenstoff-Budget“ für den Planeten aufzustellen – eine Schätzung der Menge an Kohlenstoff, die wir zusätzlich verbrennen können, bevor wir die Erde komplett überhitzen.

Es gibt möglicherweise viele Tausende Gigatonnen Kohlenstoff, die aus dem Planeten gewonnen werden könnten, wenn wir weiter suchen. Die fossile Energiewirtschaft hat bereits mindestens 5000 Gigatonnen identifiziert, von denen sie Behörden, Aktionären und Banken sagen, dass sie sie fördern wollen. Wie auch immer, wir können nur weitere 900 Gigatonnen an Kohlenstoff verbrennen, bevor wir den Planeten in desaströser Weise überhitzen. Bei der momentanen Entwicklung haben wir dieses „Budget“ bereits in wenigen Jahrzehnten erreicht. Der Kohlenstoff, den wir bereits verbrannt haben, hat die Temperatur des Planeten bereits um 1°C ansteigen lassen, und auf unserem derzeitigen Kurs werden wir genug verbrennen, um in weniger als 20 Jahren auf über 2°C zu kommen.

Zu diesem Zeitpunkt denkt eigentlich kein Klimawissenschaftler mehr, dass ein Zwei-Grad-Anstieg der Temperatur ein sicheres Zeil ist, da bereits bei einem Grad die Polkappen beginnen zu schmelzen. (In der Tat zeigen neuste, diesen Monat veröffentlichte Daten, dass wir beim Erreichen der Zwei-Grad-Marke bereits mit drastischem einem Anstieg der Meeresspiegel für einen Zeitraum leben werden müssen, der zweimal so lange andauert, wie die Menschheit überhaupt existiert.) Deshalb haben sich die Regierungen der Welt im November [2015] geeinigt, zu versuchen, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5°C oder 3°F zu beschränken. Wenn man dieses Ziel erreichen will, sollte man ungefähr 2020 aufhören fossile Energieträger zu verbrennen, was unter technischen Gesichtspunkten so ziemlich jetzt ist.

Deshalb ist es komplett verantwortungslos von einem Unternehmen, die Welt in der Erdölexploration anzuführen, denn, wie Wissenschaftler sorgfältig erklärt haben, wir haben bereits Zugang zu vier bis fünf mal so viel Kohlenstoff in der Erde, wie wir sicher verbrennen können. Wir haben es bereits zur Verfügung. Also, warum sollten wir nach mehr suchen?  Wissenschafter haben uns einen guten Dienst erwiesen, genau die Arten fossiler Brennstoffe zu identifizieren, die wir nicht ausgraben sollten, und – das wisst ihr – verdammt viele befinden sich auf Exxons zukünftiger Wunschliste, einschließlich der Teersande in Kanada, einer besonders klima- und umweltschädlichen Art der Ölgewinnung.

Sogar Exxons einziger Versuch vom Unterbinden der globalen Erwärmung zu profitieren ist in sich zusammengebrochen. Vor einigen Jahren begann das Unternehmen eine berechnete Drehung in Richtung Erdgas, welches bei der Verbrennung weniger CO2 produziert. 2009 erwarb Exxon XTO Energy, ein Unternehmen, das die Kunst der Förderung von Erdgas aus Schiefer-Lagerstätten durch hydraulische Frakturierung gemeistert hatte. Inzwischen ist Exxon Amerikas führender Fracker und ein Pionier in den Erdgasmärkten überall auf der Welt. Das Problem mit Schiefergas – anders als das, was Rex Tillerson einmal „Bauer Joe zündet seinen Wasserhahn an“ nannte – ist folgendes: in den letzten Jahren stellte sich heraus, dass der Vorgang der Hydraulischen Frakturierung von Schiefer große Mengen Methan freisetzt, und dass Methan ein weitaus klimaschädlicheres Gas ist, als Kohlendioxid. Wie der Wissenschaftler der Cornell Universität Robert Howarth kürzlich feststellte, die Verbrennung von Erdgas für die Stromerzeugung erwärmt den Planeten wahrscheinlich schneller als die Verbrennung von Kohle oder Rohöl.

Exxons Beharren auf die fortgesetzte Exploration und Produktion von fossilen Brennstoffen bringt seinen Aktionären sicherlich einen Gewinn auf Zeit, auch wenn es die Erde teuer zu stehen kommt. Fünf der zehn größten Jahrengewinne, von denen ein Unternehmen je berichtet hat, in den letzten Jahren, wurden von Exxon erzielt. Aber sogar das finanzielle Argument schwächelt inzwischen. In den letzen fünf Jahren ist Exxon hinter viele seiner Konkurrenten, sowie dem breiteren Markt zurückgefallen, und ein Hauptgrund dafür ist, laut der ‚Carbon Tracker Initiative‘ (CTI), seine hohen Investitionen in besonders teure, aufwendig zu fördernde Öl & Gas Ressourcen.

In 2007, so berichtet die CTI, machten die Kanadischen Teersande, und ähnliche Schweröl-Lagerstätten, 7,5% von Exxons nachgewiesenen Reserven aus. In 2013 ist diese Zahl auf 17% angestiegen. Eine intelligente Business-Strategie für das Unternehmen, so die CTI, würde einschließen, sein Explorations-Budget zu senken und sich auf die Ölfelder zu konzentrieren, zu denen es Zugang hat, die auch bei niedrigen Prisen noch profitabel gefördert werden können, und den Cash-Flow zu nutzen um Aktien zurück zu kaufen oder die Investoren anderweitig zu entlohnen.

Das würde wiederum bedeuten, Exxon müsste seinen texanischen ‚groß-ist-gut‘-Ansatz durch etwas wesentlich Bescheideneres ersetzen. Und während wir davon sprechen, was das größte Unternehmen des Planeten für einen bedeutenden Teil des zwanzigsten Jahrhunderts war, scheint Exxon den ‚größer-ist-besser‘-Pfad fortzuführen. Sie wetten darauf, dass der Ölpreis in angemessen naher Zukunft steigen wird, dass alternative Energien nicht schnell genug entwickelt werden, und dass die Welt den Klimawandel nicht aggressiv bekämpfen wird. Und das Unternehmen wird weiterhin versuchen, diese Wetten zu gewinnen, indem es aggressiv Politiker unterstützt, die sicherstellen, dass sich nichts ändert.

Kann Exxon unter Druck gesetzt werden?

Neben dieser heftigen Haltung zur Zukunft des Planeten scheinen die milden Anfragen der Aktivisten in den letzten 25 Jahren ziemlich sinnlos. Auf ExxonMobils Hauptversammlung 2015, z.B., haben religiöse Shareholder-Aktivisten zum x-ten mal nachgefragt, ob das Unternehmen wenigstens seine Pläne zum Management von Klimarisiken veröffentlicht. Sogar BP, Shell und Statoil haben dazu zugestimmt. Stattdessen warb Exxons Management gegen die Resolution und sie erhielt nur 9,6% der Stimmen, ein so niedriges Ergebnis, dass sie erst wieder in drei Jahren eingebracht werden kann. Zu dieser Zeit werden wir … ach, egal.

Was wir von Exxon benötigen werden wir nie bekommen: das Versprechen, dass sie den größten Teil ihrer Reserven im Boden lassen werden, dass sie weitere Exploration einstellen werden, und ein Versprechen sich aus der Politik fern zu halten. Drauf können wir lange warten.

Aber da Exxon hoffnungslos seiner Wege geht, wächst die Abscheu. Die Ermittlungen der Generalstaatsanwälte aus New York und Kalifornien bedeuten, dass das Unternehmen viele seiner Dokumente übergeben muss. Wenn Journalisten in öffentlichen Archiven so viel über Exxons Betrug herausfinden konnten, was kann erst jemand mit rechtlichen Zwangsmaßnahmen erreichen. Viele andere Gerichtsbarkeiten könnten sich ebenfalls beteiligen.

Auf den Pariser Klimaverhandlungen im Dezember [2015] veranstaltete ein Gremium von Rechtsprofessoren eine gut besuchte Tagung über verschiedene Rechtstheorien, die Gerichte überall auf der ganzen Welt anwenden könnten, um dem täuschenden Verhalten des Unternehmens entgegenzutreten. Wenn das beginnt kann man auf eines zählen: die Scheinwerfer werden sich nicht nur auf Exxon richten. Wie bei den Tabbakunternehmen in den Jahrzehnten, in denen sie die Gefahren von Zigaretten vertuscht haben, gibt es eine gute Chance, dass große Energiekonzerne mit ihren Fachverbänden und anderen Frontgruppen mit drin hängen. In der Tat veröffentlichte Inside Climate News, kurz vor Weihnachten, einige entlarvende neue Dokumente über die Rolle, die Texaco, Shell und anderen Größen in einer Studie des American Petroleum Institute zum Klimawandel in den frühen 1980ern gespielt haben. Ein Prozess wäre ein tiefgreifendes Ereignis – eine Abrechnung für das Verbrechen des Jahrtausends.

Aber während wir auf die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen warten, gibt es viel zu organisieren, wenn es um Exxon, den Klimawandel und fossile Brennstoffe geht, auf der staatlichen und lokalen Ebene – alles von freundlichen Anfragen an mehr Staaten, sich an dem rechtlichen Verfahren zu beteiligen, über Behinderung von Tankstellen für ein paar Stunden, bis hin dazu, New York und Kalifornien darauf hin zu weisen, dass sie vielleicht nicht Millionen von Dollar an Aktien in einem Unternehmen halten sollten, gegen das sie ermitteln. Es könnte sogar anfangen zu funktionieren.

Der Gouverneur von Vermont, Peter Shumlin, hob Exxon z.B. in seinem Bericht zum Zustand des Staates letzten Monat hervor. Er forderte den Gesetzgeber auf, seine Anteile an dem Unternehmen wegen seiner Täuschungsversuche zu veräußern. „Dies ist die Taktik der Tabbbakindustrie“, sagt er, „die für Jahrzehnte die Gesundheitsrisiken ihres Produktes, das Menschen umbringt, geleugnet haben. Anteile an ExxonMobil zu halten ist kein Geschäft, das Vermont eingehen sollte.“

Die Frage ist: Warum auf Gottes nicht-mehr-ganz-so-grünen-Erde sollte noch irgendwer Exxons Partner sein wollen?

Ende der Übersetzung.

 

 

cf1hxmowwaayypb

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s